Herr Dr. Neuberger, sagen Sie mal…

Abschluss-Interview mit unserem Schulleiter

Herr Dr. Neuberger wird nach diesen Sommerferien nach 20-jähriger Schulleitung am OWG in seine wohlverdiente Pension gehen. Anlass für uns, ihm noch einige berufliche und auch persönlichere Fragen zu stellen…

Wie sah ihr Leben vor dem OWG aus und wann/wie fiel die Entscheidung Schulleiter am OWG zu werden?
Ich war vorher am Leibniz-Gymnasium Pirmasens beschäftigt. 2001 wurde die Stelle am OWG ausgeschrieben und ich habe mich beworben. Dann ging alles sehr schnell…

In welchem Fachbereich und Themengebiet haben Sie promoviert? Hat Sie dieses Thema im Schulleben weiterhin begleitet?
Ich habe über die Lebensorientierung und Identitätsbildung Jugendlicher in der Adoleszenz in Theologie / Religionssoziologie promoviert. Die Auseinandersetzung mit der Thematik hat mich damals gefesselt und bis heute nicht losgelassen.

Wir Kollegen und auch die Schüler haben Sie immer als Schulleiter erlebt, wie würden Sie sich als Privatperson beschreiben?
Ein Familienmensch mit vielen verschiedenen Interessen, der seine Vorstellungen zielstrebig vertritt und gleichzeitig versucht, gelassen zu bleiben.

Was ist ihr Lieblingsplatz in Merzalben?
Ein Hügel namens „Bühl“, der völlig unspektakulär ist und mich doch schon als Kind fasziniert hat. Heimat eben.

Husqvarna oder Stihl?
Stihl + eine asiatische Säge, die auch bei warmem Motor immer anspringt…

Wir treffen Sie auf der Pfälzerwald-Hütte eher Saumagen oder Leberknödel? Bier oder Wein?
Eher Rostige Ritter und Merzalwer Wasser. Grumbeere und weißer Kees ist auch noch eine Option. Wir werden sehen.

Was tun Sie als erstes, wenn Sie nach einem langen Schultag nach Hause kommen?
Ich esse was mit meiner Frau zusammen.

Was waren die eindrücklichsten Erlebnisse in Ihrer Zeit am OWG? Es gab so viele und einige der interessantesten unterliegen dem Datenschutz.

Wie stellen Sie sich das OWG in 10 Jahren vor?
Ich hoffe, dass es dann immer noch ein Gymnasium ist und diesen Namen auch verdient. Am wichtigsten ist aber, dass das OWG eine gute Schule ist, die zusammen mit den anderen Schulen der Region ein verlässliches und zeitgemäßes Bildungsangebot für die Kinder der Region macht.

Sie waren seit Beginn Mitglied und Förderer des owg.magazins. Wieso liegt Ihnen das Magazin am Herzen?
Ich wollte eine Plattform für den Austausch am OWG, der sowohl eine Printausgabe als auch eine digitale Variante hat und allen schulischen Personen und Gruppen genutzt werden kann. Gerade in einer Zeit, in der überall die Schülerzeitungen starben, erschien mir das notwendig und zeitgemäß. Im Prinzip geht es erstens darum, Informationen weiterzugeben über den Rahmen amtlicher Mitteilungen hinaus und mit der Möglichkeit zur Rückmeldung und zum Meinungsaustausch. Zweitens soll das owg.magazin eine kritische Begleitung des Schullebens leisten. Ich weiß, dass dies eine Idealvorstellung ist, die sehr schwer zu verwirklichen ist, aber hier wurde auch schon Wertvolles geleistet. Ein sehr herzliches Dankeschön an alle, die hier mitgewirkt haben, speziell den aktuell Verantwortlichen, Frau Heisel und Frau Zirker. Ihr Engagement beeindruckt mich immer wieder.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihnen durch die Pandemie gestellt wurden?
Dass für die Kinder nicht nur Lern-, sondern auch Lebenswelten gefährdet waren und sind. Für das OWG musste viel von unserem Additum auf Eis gelegt werden, mit dem wir Kinder unterstützen und fördern – diejenigen, die zusätzliche Unterstützung im täglichen Schulalltag brauchen, aber auch die besonders Talentierten und Interessierten. Das Verbot dieser Projekte und Arbeitsgemeinschaften hat uns mehr getroffen als viele andere Gymnasien. Es wird eine große Aufgabe sein, hier wieder zu den alten qualitativen Standards zurückzufinden. Aber ich bin optimistisch, weil die meisten Verantwortlichen schon deutlich hörbar mit den Hufen scharren oder schon wieder erste Schritte in die richtige Richtung unternommen haben.

Jetzt mal ehrlich…. Was halten Sie von dem Schulmanagement unserer Regierung während der Pandemie? Sie dürfen jetzt ja ganz ehrlich sein;)
In einem Interview mit der Rheinpfalz im letzten Jahr habe ich noch viel Verständnis für die Landesregierung gehabt. Inzwischen ist viel passiert. Der Blick sollte jetzt aber nach vorne gehen.

Was planen Sie für die nahe Zukunft? Gibt es ein neues Hobby, was Sie nun ausprobieren wollen?
Ich habe schon sehr viele Interessen – Computertechnik, Handwerk, Gartenarbeit, Literatur, viel Spor etc. Ich werde also mit manchem weitermachen und anderes jetzt (wieder) intensivieren. Dass ich mich langweilen könnte, ist mir aktuell nicht vorstellbar. Ein großer Teil meiner Freizeit wird ganz sicher ins familiäre Umfeld fließen.

Erster Tag in der Pensionszeit, beschreiben Sie Ihren Tagesablauf.
Frühstücken, Zeitung lesen, rausgehen – eventuell mit dem Rad eine kleine Tour auf die Berge rund um Merzalben machen, ein nettes Essen kochen, ein bisschen lesen oder am Computer und mich letztlich an dem freuen, was mir der Tag schenkt – bzw. die Menschen in meinem Umfeld.

Was werden Sie am meisten vermissen?
Die Menschen am OWG. Eindeutig.

Was würden Sie Ihrem Nachfolger Herrn Gutmann gerne mit auf den Weg geben?
Ich habe oft gesagt, dass ich den besten Schulleiterjob im Lande habe. Ich hoffe, er empfindet es genauso. Ich habe schon viel mit ihm gesprochen und bin mir sicher, das wird passen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem erfüllenden und abwechslungsreichen Arbeitsplatz.

Welche letzten Worte möchten Sie den Schülern und Kollegen mit auf den Weg geben?
Ich möchte mich bei allen herzlich bedanken für die tolle gemeinsame Zeit. Passen Sie gut auf unser Dorfgymnasium auf. Sorgen Sie dafür, dass die Schulgemeinschaft weiter ihren ganz besonderen Weg geht.

Was Sie sonst noch loswerden möchten…
Ich habe mich immer bemüht, die Menschen um mich mit ihren Meinungen und Ansichten zu Wort kommen zu lassen und habe auch für mich in Anspruch genommen, meine Ansichten und Meinungen zu sagen. Gerade in letzter Zeit gab es natürlich viele ‚Abschiedsgespräche‘ als Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Es gibt also nichts, was ich jetzt noch loswerden oder nachschieben müsste.

Lieber Herr Dr. Neuberger, vielen herzlichen Dank für Ihre Antworten, die konstruktive Zusammenarbeit und den kreativen Gestaltungsfreiraum! Alles Gute für Ihren neuen Lebensabschnitt!